Kalvarienbergkirche
Volksaltar und Ambo
Heute soll ein Altar nicht nur den Mittelpunkt des Kirchenraumes bilden, er soll sich auch als das neue spirituelle Kraftzentrum im historischen Umraum behaupten können. Dieser Auftrag gilt im Besonderen vor dem Drama des barocken Glaubenstheaters mit seinem in den Raum hereinragenden Bergfelsen, aus dem im nächtlichen Kolorit der Verrat Jesu dargestellt wird.
Bei meinem Entwurf habe ich mich gefragt, um welche geistigen Kräfte es sich handeln könnte und wie können diese eventuell auch ohne liturgischer Feier wirksam werden?
Ich wollte dem historischen Hintergrund ein noch deutlicheres ""Drama" davor setzen, nämlich dass Gott (überhaupt) Mensch geworden ist, dass er auf dieser Erde einen eher steinigen, sperrigen Weg gegangen ist, der ihn zum Tod am Kreuz geführt hat, diesen aber überwunden hat und zu seinem Vater aufgefahren ist. So suchte ich nach zweierlei Formen: eine, die für das Leben Jesu auf Erden steht, und eine andere, die für seine uns so befreiende Auferstehung gesehen werden kann.
Ein Fels aus demselben Stein des Kalvarienberges (Gneis), mit seiner naturbelassenen, buckligen Form, der an seiner Vorderseite durchgeschnitten wurde und so seine Evolution, seine Entstehung zeigt, steht für die Welt und seine Geschichte. Auf seiner natürlichen Bruchoberfläche habe ich ein Kreuz im Schattenriss aus Zinn intarsiert. Es stellt den Leidenweg Jesu dar.
Aus seinem Mittelpunkt erwächst die weitere Steinform. Es ist die eines umgedrehten Schüttkegels, eine Form, wie sie entsteht, wenn Sand-, Erd- oder Schottermaterial abgeladen oder aufgeschüttet wird. Es ist ein streng physikalischer Vorgang, der diese Form entstehen lässt, der mit der Erdanziehung und seinen Massegesetzen zu tun hat: die feineren Körner bleiben oben, die groben rollen zu Boden. So einen Kegel mit ovaler Grundform habe ich aus rotem Porphyr (ein sehr harter Granit) geschnitten und gemeißelt.
Die Idee war, ihn umzudrehen, um zu zeigen, dass Gott die Erdanziehungskräfte aufheben (den Tod überwinden ...) kann, dass nur er, der alle Materie erschaffen hat, auch Herr aller geistigen Kräfte ist und so durch seine Liebe zu uns, für uns scheinbar Unmögliches möglich macht.
Der Ambo hat eine dem Altar verwandte Formensprache. Er ist aus einem Abschnitt des Altarbodensteines gestaltet, vorne naturbelassener Fels, rückseitig geschliffen. Die Buchauflage ist aus dünnen Stahlstangen gefertigt und wirkt sehr transparent. Auch wenn kein Buch darauf liegt, soll hier ein Zeichen sein für die geistigen Kräfte, die von hier aus wirken sollen.
Durch diese Zeichen und Formen habe ich versucht, eine neue Stätte der Gottesbegegnung zu gestalten.
Wolfgang Rahs


